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10. April

Heute darf ich Frau Tarassova mit ihrem Kurs „Start Deutsch 1“ besuchen. Elena hatte mich ja schon ganz zu Anfang meines Praktikums darüber aufgeklärt, dass sie den Kurs häufig anbieten, die Teilnehmer aber nicht immer ganz einfach sind. Denn dieser Kurs ist für Leute, die Verwandte in Deutschland haben und nachziehen wollen oder für Frauen, die einen Deutschen geheiratet habe. Frau Tarassova sagt mir dann auch gleich an der Tür, dass dieser Kurs etwas anders ist als die anderen, die ich schon gesehen habe. Es ist zum Beispiel erlaubt ein wenig Russisch zu sprechen, was in den anderen Kursen nur als Mittel benutzt wird, um nach der Vokabelerklärung noch einmal genau nachzuprüfen, ob es korrekt verstanden wurde und damit ein Eintrag im Vokabelheft gemacht werden kann. Hier wird Russisch sehr häufig gebraucht, da drei der vier jungen Damen alles andere als motiviert wirken und das obwohl sich Frau Tarassova wirklich alle Mühe gibt und pantomimisch Worte, Verben und eigentlich alles andere auch erklärt. Eigentlich ist an ihr eine Komödienschauspielerin verloren gegangen. Bei der Verbenabfrage mittels Ballzuwurf verwirre ich Schülerinnen und Lehrerin gleichermaßen, als ich gleich erst mal „du käufst ein“ sage, mich dann aber noch zu „du kaufst ein“ korrigiere. Dialektale Vielfalt ist den Russen ja eher unbekannt und so langsam merke ich, dass ich doch mehr Dialekt in mir habe, als ich dachte. Inna ist mir ihren 29 Jahren die älteste Schülerin im Kurs und anscheinend auch die einzige, die das, was Frau Tarassova da erklärt, interessiert. Als es um die Vokabeln zum Körper geht, muss sie sogar gebremst werden, da sonst die anderen keine Chance haben, auch etwas zu sagen. Nur leider wären die nur all zu froh gewesen, wenn sie nichts hätten sagen müssen. Eine junge Frau hat sich als Managerin vorgestellt und sagt, sie sei 22, was mich doch verblüfft. Nicht etwa, weil sie mit 22 schon Managerin ist, das sind hier in Russland viele, was natürlich nicht heißt, dass man sie mit deutschen Managern vergleichen kann, es klingt halt einfach nur cool. Nein, nein, das ist es nicht, das mich irritiert, sondern viel mehr die Tatsache, dass sie nicht aussieht wie 22, sondern eher wie Mitte 30 oder älter unter all der Schminke und dem Nagellack. Na ja, vielleicht hat sie auch 32 gemeint um die Deutschkenntnisse ist es in diesem Kurs ja nicht sonderlich gut bestellt. Galina ist 23 und heißt seit neuestem Brauer mit Nachnamen. Da haben wir’s also wieder das von Elena beschriebene Phänomen. Und wenn ich mir Galina so den Kurs über betrachte, sie checkt fast nix [selbst dann nicht, wenn es eigentlich genauso ist wie im Russischen. „Unser Hund ist weggelaufen.“ und „Haben Sie unseren Hund gesehen?“] und fragt auch nicht nach, weil sie sich eigentlich für irgendwas anderes interessiert, was zum Beispiel ihre Fingernägel sein könnten, dann werd ich das Gefühl nicht los, dass sie ihren Mann nicht auf dem „natürlichen“ Wege kennen gelernt hat, sondern dass er ein (Verzeihung!) alter Sack aus Deutschland ist, der sich ne junge russische Frau eingekauft hat, weil ihm die Thai-Mädchen nicht gefallen haben. Ich bin nur die ersten zwei von vier Stunden in diesem Kurs und die Motivation der Mädchen ist schon fast auf Null während ich noch da bin, da möchte ich gar nicht wissen wie es in der zweiten Hälfte noch weitergeht. Arme Frau Tarassova, sie ist wirklich eine nette Lehrerin und sehr kreativ, aber was will man machen? In der dreistündigen Pause bis zum nächsten Kurs schreibe ich die Anmerkungen zur Broschüre fertig [das Schwierigste hierbei war die Adresse vom neuen Goethe-Institut in Nowosibirsk zu finden, weil das erst Mitte März aufgemacht hat und auch auf der deutschen Internetseite des GI nicht zu finden ist – ganz toll! Wer ist hier eigentlich für die Homepages verantwortlich?] Nachdem das erledigt ist, werde ich ein wenig hungrig und versuche mein Glück am Automaten. Hmm, gar nicht so leicht sich zu entscheiden, was wirklich Nahrhaftes ist leider nicht dabei. Ich entscheide mich schließlich für etwas Großes, Braunes, das aussieht wie ein Lebkuchen und 25 Rubel kostet, das ist kein schlechter Deal. Und heute scheint mir das Glück wirklich hold zu sein, da mit dem großen Lebkuchen auch noch ein benachbartes Kit Kat Chunky herunterfällt, njamm, njamm... Zwei zum Preis von einem. [Ob der Trick noch einmal klappen wird?] Ich will mein Glück allerdings nicht überstrapazieren und verschiebe die heiße Schokolade am Getränkeautomaten auf ein anderes Mal. Der Lebkuchen erweist sich als nicht so steinhart wie ich erwartet hatte und hat sogar einen fruchtigen Kern, das kann man sich mal merken und 25 Rubel ist nun wirklich nicht die Welt. Ich habe in meiner ersten Woche bisher nur Geld für die Metrokarte und die Simkarte ausgegeben, wenn das so weitergeht, reichen meine 4000 Rubel, die ich abgehoben hatte, noch sehr lange. Als ich meine G-Mama nach einem verpassten Anruf auf dem Handy anrufe, gibt sie mir den Auftrag, mal wieder Anton anzurufen um abzumachen, wann wir uns denn jetzt mal treffen. Immer diese Telefoniererei auch noch am Arbeitsplatz...! Ich schicke ihm einfach eine SMS mit meiner Arbeitszeit und wir machen aus, dass wir es erneut verschieben, diesmal auf Samstag [da bin ich aber mal gespannt]. Ich melde mich noch schnell für das Planspiel und die Modenschau im Rahmen der deutschen Woche an, auch wenn ich noch nicht weiß, wen ich da mitnehmen soll, vielleicht hat ja meine Tandem-Nadja Lust. Den Abschluss des Arbeitstages bildet dann Frau Putschkovas A 1.2. Kurs. Auch hier ist die Lehrerin hochmotiviert und lässt wieder Fragen stellen. A 1.2. entspricht auch in etwa dem Niveau, dass die Mädchen am Vormittag hatten, aber es ist kein Vergleich. Was Interesse nicht alles ausmachen kann. Die Schüler hier können natürlich nicht mit mir über lebensphilosophische Fragen diskutieren, aber sie sind bisher die neugierigsten und fragen am meisten. Was ich studiere, was für Musik ich höre, was ich gerne lese, ob mir München gefällt. Sie sind zwar vom Niveau her der Kurs, der am schwächsten sein sollte, aber sie zeigen, dass man für ein nettes Gespräch nicht viele Vokabeln braucht. Ihr Thema ist die Stadt und da speziell Berlin. Wie passend. Hier spielen wir Vokabel-Domino und Artikel-Gymnastik (jeder bekommt ein Blatt mit einem Artikel und wenn ein Wort kommt, das diesen Artikel trägt, muss man es hochhalten.) Transport ist auch ein wichtiges Unterthema der Stadt und da kommt dann erst mal die Frage auf, was eigentlich der Unterschied zwischen einem Zug, einer U-Bahn und vor allem einer S-Bahn und einer Straßenbahn ist. Hmm, da ich selbst manchmal anstelle von Straßenbahn S-Bahn sage, ist das keine so leichte Frage. Na ja, ein Zug verbindet Städte miteinander auch über längere Distanzen. U-Bahnen fahren unter der Erde und nur innerhalb einer Stadt. Ja, die Straßenbahn fährt auf der Straße in einer Stadt und die S-Bahn... hmm, die verbindet den Kern einer Stadt mit den Vororten oder Stadtteilen wie eine russische Elektritschka, so ungefähr, irgendwie. Die Bilder zu den Vokabeln sind auch nicht ganz einfach zu entwirren, wäre da nicht das große U und das große S für U-Bahn und S-Bahn. Wir lernen auch höflich nach dem Weg zu fragen und ihn dann möglichst simpel zu erklären. Ich darf immer vorlesen, damit die Schüler mal hören wie man das so richtig auf Deutsch ausspricht. [Aufgrund der Erfahrungen der letzten Tage würde ich für „so richtig“ meine Hand nicht mehr ins Feuer legen. Es könnte durchaus sein, dass meine Aussprache des Wortes „Restaurant“ ein wenig durch mein Französisch eingefärbt ist, aber hey, besser als nie nen echten Deutschen zu hören außer von CD oder Kassette!] Die Lehrerinnen können zwar alle wirklich sehr, sehr gutes Deutsch, aber den einen oder anderen Ausrutscher in Richtung Russisch [ups, Artikel vergessen und so] können sie auch nicht immer vermeiden. Besonders niedlich fand ich hierbei mal die Aussprache der Worte „Flirt“ und „flirten“. In Deutschland bemühen wir uns ja eigentlich es englisch auszusprechen, also mehr wie „flört“, hier heißt es „flirrt“. Ich weiß nicht, ob das nur ein Ausrutscher in dem einen Kurs war oder halt ein Witz, denn manchmal sprechen wir es ja auch „richtig deutsch“ aus um es zu verulken. Mal schauen, ob mir der „Flirrt“ noch mal irgendwo begegnet. [Da fällt mir ein, es gab oder gibt doch auch eine Billiglimonade, die so heißt. Ist das dann auch ein „Flirrt“ oder ein „Flört“?] Na ja, so lange sie nicht Sachen wie „Nutella“ oder „McDonald’s“ lernen, für das selbst Muttersprachler unterschiedliche Artikel benutzen, kann man über einen „Flirrt“ mal hinweghören. Als ich heimkomme sitzen Wowa, Rita und Zhenja (ich sollte lieber Evgenij schreiben, das sieht so komisch aus) in der Küche, vor ihnen ein Schüssel mit Popcorn und viele kleine Pappkarton-Blättchen, die irgendwie einen Dinosaurier ergeben sollen, der die Beilage eine Cornflakes-Verpackung war und den man aus vielen Einzelteilen zusammenstecken soll. Jetzt die Preisfrage: Wie viele Erwachsene benötigt man um so ein Kinderspielzeug zusammenzusetzen? In unserem Fall schon mal mindestens drei während das dazugehörige Kind um die Erwachsenen herumspringt und immer fragt, wie lange es noch dauert. [Es hat etwas gedauert bis Rita herausgefunden hatte, dass auf den Teilen Nummern drauf sind, die man zusammenstecken muss.] Doch mit vereinten Kräften schaffen wir es dann schließlich. Der Dinosaurier ist ein wenig krumm und schief, aber er steht! Dank Zhenjas Geduld auf den letzten Metern, da die Beine nicht so wirklich stehen wollen. Als der Dino fertig ist, interessiert sich Wowa allerdings schon nicht mehr wirklich dafür – wie eigentlich immer mit solchen Dingen. Rita liest dann noch lakonisch die Beschreibung auf der Verpackung vor: „ ’Das fertige Objekt muss nicht in Farbe und Form mit der Abbildung übereinstimmen.’ – Hallo?! Wir haben diese Cornflakes nur wegen diesem blöden Dino gekauft und dann könnte er vielleicht nicht so aussehen wie auf der Abbildung!... ‚Wenn du beim Zusammensetzen Probleme hast, bitte einen Erwachsenen um Hilfe. Du wirst sehen, das wird lustig!’ Ja, frag am besten gleich mehrere, dann wird’s noch lustiger!“

 

13.4.09 13:34
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


martinaschunack (14.4.09 09:17)
Meine Güte ist das ein langer Eintrag.Manches kam mir bekannt vor.

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