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9. April

Was für ein Tag! Heute stehen 3 Kursbesuche an, aus dem letzten Kurs soll ich um 20 Uhr in der Pause rausgehen. Eigentlich geht er nämlich noch bis 21.15, aber dann wäre ich ja um 22 Uhr erst zu Hause, wenn es schon dunkel ist und das darf ich ja nicht, außerdem würde sich das nur sehr schlecht mit meinen Arbeitszeiten vereinbaren lassen. Eigentlich müsste ich heute erst um 12 anfangen um die 8 Stunden vollzubekommen, aber  der erste Kurs, den ich besuche, beginnt bereits um 11:30 und ich muss ja auch [da ich keinen Wohnungsschlüssel habe] dann gehen, wenn noch jemand von der Familie da ist, der hinter mir abschließen kann. Eigentlich könnte ich also ausschlafen, bin aber schon um 7 wach, wie die letzten Tage auch, wenn der Wecker erst um 8 klingelt. Na ja, dann kann ich wenigstens ohne Wowa mit meinem kleinen grünen Computer spielen, bevor mein Gehirn noch ganz aus dem Training kommt und dann könnten wir abends zusammen spielen ohne, dass er mir meine Bilanz kaputt macht oder Resultate löscht [wenn dann wird jetzt nur noch in meinem Beisein gespielt!]. Gegen 10 zuckele ich dann mit der erstaunlich leeren Metro los [also leer heißt in diesem Falle, dass man auf Anhieb einen Sitzplatz bekommt]. Draußen sind ungefähr 0 Grad und in der Metro gefühlte 30, also muss man wieder zur Zwiebel werden, nachdem ich gestern warm eingepackt war und in der Metro und im Institut furchtbar geschwitzt habe. Heute also eher kühlere Sachen, aber dafür davon dann mehrere damit man was ausziehen kann – es funktioniert wie sich herausstellt. Kurz nachdem ich angekommen bin, muss ich auch schon fast in den ersten Kurs. Mein Computer fährt so dermaßen langsam hoch und hängt sich bei Office immer erst mal auf, sodass ich fast nicht dazukomme nachzusehen, ob Maria mir neue Aufgaben geschickt hat. Mein erster Kurs ist heute ist ein A 2.1. Kurs bei Frau Volkova. Die Teilnehmer sind alles Erwachsene und dürfen jetzt erst mal Fragen zu mir stellen. Da sie noch nicht so viel können beschränken diese sich auf solche wie „Wie heißt du?“, „Wo kommst du her?“, „Was arbeitest du?“ und überraschenderweise auch „Bist du verheiratet?“ Wenig später wird mir klar, warum mir der Herr ausgerechnet diese Frage gestellt hat. Die Aussprache der Worte auf –ig und –ich wurde durchgenommen und eines der Beispielworte war ‚ledig’. In den Sprachkursen merke ich dann doch ab und mal, dass ich mir meiner Muttersprache selbst nicht ganz sicher bin. Denn hier lernt man ledig und billig so auszusprechen wie freundlich, also mit –ich hinten, dabei würde ich fast alle Worte aus der –ig-Liste auch mit –ig aussprechen [natürlich klingt es mehr nach –ick dann, wegen Auslautverhärtung und so], Frau Volkova bewertet diese Aussprach allerdings als dialektal. Seltsam. [Was sagt das Plenum dazu? Wo sind muttersprachliche Germanisten, wenn man sie mal braucht?] Der Kurs hat gerade das Thema „Schule und Beruf“ und darf allerlei Übungen mit Kärtchen dazu machen. [Kärtchen mögen sie hier sehr gerne wie sich später noch herausstellt.] Sie sollen auch ihre Schulzeit beschreiben und ihren Traumberuf. Waren sie beim Frage stellen noch recht verhalten, so hören sie doch begierig zu, wenn ich erzähle wie Schule in Deutschland ist, denn so Lehrbücher können einem ja vieles erzählen... Ähnlich wie im Kurs von Frau Mathyl sind die Schülern nämlich eigentlich sehr neugierig und wenn sie in der Pause auch die Möglichkeit haben zur Not auf Russisch auszuweichen, werden sie durchaus sehr gesprächig und lieb sind sie. Olga zum Beispiel, deren Mann anscheinend in Hamburg wohnt, spendiert mir eine Runde Tee in der Pause. Die Zeit geht viel zu schnell rum und am Ende der Stunde bitten sie mich, ob ich nicht vielleicht wiederkommen möchte. Ich muss allerdings schauen wie sich das mit den Hospitationen in anderen Kursen verträgt, da ich ja nicht zu allen immer gehen kann. Nach meiner Mittagspause, die ich mit Broten verbringe, die G-Mama heute morgen noch gemacht hat [Belag: Würstchen mit Käse überbacken], kann ich bei Maria endlich die Broschüre abholen und kämpfe dann bis um vier erneut gegen die kyrillische Tastatur. Daher komme ich leider nicht so vorwärts wie ich es gerne hätte und die Anweisung „bitte X streichen“, „bitte X abändern“ etc. muss ich auch noch alle erst mal heraussuchen. Der nächste Kurs ist schon weiter, auf Stufe B 2.2., also mehr als doppelt so weit wie die anderen. Die Lehrerin Frau Orestova hat eine kecke rotgefärbte Kurzhaarfrisur und war mir am Montag bei der Ankündigung für das Planspiel schon aufgefallen. Auch hier dürfen die Schüler wieder Fragen stellen, doch bis auf einen hübschen, jungen Mann namens Michail traut sich keiner so recht. [Und wie immer sind alle erleichtert, wenn sie hören, dass ich auch Russisch kann.] Hier ist das Kursthema „Mode“ bei den 5 Männern weniger beliebt, dafür dürfen sie dann später noch Sport machen als Thema, was die 5 Frauen dafür weniger interessieren wird. Auch hier kommen gleich die Kärtchen zum Einsatz – idiomatische Wendungen mit Kleidungsstücken. „Das ist mir Jacke wie Hose“ – kein Problem das zu erklären. „Jemandem etwas in die Schuhe schieben“ und „Sich auf den Schlips getreten fühlen“ fällt den Schülern dann schon schwerer. „Unter dem Pantoffel stehen“ kennt man hier in Russland als „unter dem Absatz stehen“ und Frau Orestova will der Schülerin, die die Wendung erklärt, auch noch weiß machen, dass man es in Deutschland geschlechtsneutral anwenden kann. Da greife ich dann doch mal ein, da es meinem Sprachgefühl nach doch sehr ungewöhnlich bis unmöglich ist, diese Redewendung auf eine Frau anzuwenden. Meiner Meinung nach wird in dem Bild impliziert, dass die machtvolle Person, die die andere unterdrückt, eine Frau ist und der Unterdrückte ein Mann, vorzugsweise Ehemann oder Sohn. Aber das mag meine Meinung sein. Meine Muttersprachlerkompetenz wird noch bei weiteren Wendungen herausgefordert. „Sein Mäntelchen in den Wind hängen.“ ist mir eher vertraut unter dem „Fähnchen im Wind“ und „Manschetten haben“ ist mir gänzlich unbekannt. [Interessant, was man so Russen so beibringt für Deutsch, was selbst Muttersprachler nicht kennen. Das hatte ich damals gedacht, als ich mich hier beworben hatte, Sprachkurse ansehen und schauen, was da unterrichtet wird, was vielleicht ganz am Leben vorbeigeht bzw. einfach nicht mehr aktuell ist. Aber mag sein, dass ich auch die Einzige bin, die mit den Manschetten nichts anfangen kann. Oma? Kennst du das?] Im Anschluss gibt es noch ein Kleidungsstücke-Memory [in unserer Gruppe ist Michail der Champ, wobei er mir generell der kleine Überflieger der Gruppe zu sein scheint], eine Bildbeschreibung [mit den üblichen Fotos aus Zeitschriften und Quelle-Katalogen wie ich sie von Tuija und Finnisch kenne] und dann wird ein Wim-Wenders-Film über einen japanischen Designer geguckt, der nicht wirklich großen Anklang findet, obwohl das Herz der Lehrerin daran zu hängen scheint. Bevor ich zum nächsten Kurs gehe, fragt mich Frau Orestova noch wie es mir denn gefallen hat und dass ich lieber in den Kurs hätte gehen sollen, den sie jetzt hat, dasselbe Niveau, aber viel motiviertere Leute, eben hätten ja gerade mal so 4 von 10 Leuten beim Film tatsächlich hingeschaut. Leider muss ich sie enttäuschen, denn ich muss jetzt in den Konversationskurs zu Frau Schkoba. Sie hatte meinen Besuch ihren vier jungen Mädels schon angekündigt und sie sollten sich Problemfragen für Diskussionen überlegen, das haben die Mädchen zwar nicht gemacht, aber spontan geht das auch gut. Eine Britin ist auch dabei, die in der Schule Deutsch hatte und es jetzt zusammen mit Russisch auch studiert. Sie ist die gesamte Zeit über sehr ruhig [auch wenn es schwer ist gegen ihre Tischnachbarin anzukommen, aber die anderen beiden schaffen es auch immer mal wieder] und ich werde das Gefühl nicht los, das sie keine der beiden Sprachen, die sie studiert wirklich gut beherrscht, aber das mag ein subjektiver Eindruck sein, weil sie desinteressiert und leider auch etwas unsympathisch rüberkommt. Die anderen Mädchen stellen wissbegierig Fragen. Wie ist es mit der Integration von Ausländern in Deutschland? Ist Emanzipation ein Thema? Wie kann man einen Studienplatz in Deutschland bekommen? Es ergibt sich eine spannende Diskussion mit immer wieder neuen Themen und die Zeit geht wahnsinnig schnell rum. Am Ende sind alle enttäuscht, dass ich nur bis 8 bleibe, aber länger sollte ich wirklich nicht bleiben. Die Stunde Heimweg steht mir noch bevor, essen und duschen wollte ich ja auch noch. Direkt an der Tür treffe ich Rita und Wowa, der gerade von der Gymnastik kommt. Stolz erzählt er mir, dass er heute in der Schule eine 5 bekommen hat im Laufen [Anmerkung zum Verständnis: In Russland sind die Noten genau umgekehrt.] und auch Rita ist mächtig stolz auf ihren Kleinen, weil heute auch offener Unterricht war und die Eltern zusehen durften. Der G-Papa, der gestern Abend früh schlafen gegangen war und daher keine Informationen über den Ablauf des heutigen Tages erhalten hatte, muss die G-Mama so um 8 ganz nervös schon angerufen haben, wo denn alle bleiben, denn normalerweise bin zumindest ich um halb acht daheim. Dumm nur, dass G-Mama da gerade im Theater saß. Die warme Dusche an diesem Abend habe ich mir wirklich redlich verdient.
10.4.09 13:11
 


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martinaschunack (10.4.09 20:11)
"Manschetten haben" ist in der 2. Hälfte des 18. Jhdts. bei Studenten entstanden. Die Manschtten verhinderten den Gebrauch des Degens beim Kampf.Wer Manschetten trug war ein Feigling. Wer heutzutage Angst hat(sprich Manschetten) ist ein Weichei.

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