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8.April

Heute gibt es endlich mal was zu tun! Ich wohne meinem ersten Unterricht bei. Vorher werde ich noch ein wenig beschenkt. Die Frau von der Buchhaltung bringt mir einen quietschgrünen Schlüsselanhänger [nein, ich wusste vorher nicht, dass das die Farbe des Goethe-Instuts ist] und ein Notizbuch, das unheimlich stylisch aussieht. Mein Registrationspapier bekomme ich heute auch von Katja [hmm, so was hatten wir letztes Mal nicht, wenn ich mich recht erinnere. Conrad, kennst du das? Was soll ich damit jetzt machen? Bin ich jetzt registriert oder nicht und warum zur Hölle bin ich auf dem Papier männlich? Im Pass und im Visum steht doch überall weiblich und ist das schlimm, wenn das nicht stimmt? Fragen über Fragen.] Ich sitze noch am PC im Empfangszimmer, da kommt auch schon die Lehrerin  vom Phonetikkurs vorbei um mir Bescheid zu geben, dass sie 10 Minuten später anfangen. Nun, solange der Kurs überhaupt stattfindet, bin ich glücklich. Frau Mathyl bittet mich auch, ob ich denn nicht Monolog „Nacht“ [den mit „Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.“] aus Faust vortragen könnte. Kein Problem, ich hab Faust ja auch schon mal für die Norweger vorbereitet, warum nicht auch für die Russen? Das Wort „Laffen“ bereitet uns ein wenig Kopfzerbrechen [derjenige, der mir spontan sagen kann, was das ist, beeindruckt mich schwer], aber gut, ist halt auch Goethe. Maria hat mir noch eine E-Mail geschickt, ob ich ihr nicht vielleicht helfen kann heute beim Einstufungstest für die Jugendlichen, die demnächst in die Erwachsenenkurse sollen. Leider ist der Test genau zur Zeit der Teestunde von Birte und Johanna, bei der ich gerne dabei gewesen wäre, nächsten Mittwoch muss ich mir dafür unbedingt freihalten, sonst wird das nichts mit dem Übernehmen dieser Institution, wenn die beiden in rund 3 Wochen heimfliegen. Im Phonetikkurs wurde werde ich sehr freundlich empfangen und die Schülerinnen sind auch sehr neugierig, wer ich denn so bin und wo ich herkomme. Nachdem die Lehrerin kurz den Sinn des Kurses erklärt hat [es soll durch phonetische Übungen die Aussprache verbessert werden und durch Gedichte und Kinderlieder auch gleich noch nebenbei ein wenig Landeskunde gemacht werden], stellt sich jeder einmal vor. Tatjana lernt nun schon seit 8 Jahren Deutsch, weil es ihr so Spaß macht und das merkt man ihr auch an, voller Enthusiasmus trägt sie später im Kurs das Schiller-Gedicht „Der Handschuh“ vor. Nadja [nicht identisch mit der Tandempartnerin, aber im ähnlichen Alter] will vor allem schönes Deutsch sprechen und man muss sagen, der Kurs scheint seine Wirkung bei ihr nicht zu verfehlen. Wir beginnen den eigentlichen Unterricht mit dem Lied „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“, das mag jetzt seltsam klingen, aber daran kann man hervorragend die Plosive üben (p,t,k und b,d,g), die für Russen anscheinend eine ungewohnte Stärke im Deutschen haben. Danach wird noch der Unterschied zwischen den Lauten F wie in Vogel und W wie in Wasser geübt und zwischen W und B. Dabei fällt mir zum ersten Mal auf wie ähnliche die Worte Berg und Werk klingen, wenn sie vom Tonband kommen. Um die Sache noch ein wenig aufzulockern sehen wir uns ein Phonetik-Übungsvideo an [ja, so etwas gibt es!], auf dem Video, das schätzungsweise kurz nach der deutschen Einheit produziert wurde, versuchen uns eine Handpuppe mit Wikingerhelm [Frau Mathyl sagte irgendwas von „Herrmann“] und seine junge Assistentin das deutsche Lautsystem näher zu bringen. Bei der dritten Wiederholung der Reihe „kw – Quark – vier Quarkkuchen“ [wahlweise auch „pf – Pfennig – vier Apfelkuchen“] fällt es selbst der jungen Frau im Video schwer die Fassung zu bewahren und ich bekomme vor lauter Kuchen fürchterlichen Hunger. Nach ein paar weiteren Gedichteinlagen und dem Faust kann sich mein Magen über die Osterfeier im Kurs freuen. Die 6 Damen bilden nämlich nicht nur einen Kurs sondern wohl auch ein kleines Kaffeekränzchen, in dem man sich über Strickmoden für Kleinkinder austauscht [und das mittels französischer Strickhefte, vermutlich so aus den 70ern]. Ostern ist in Russland zwar eigentlich erst nächstes Wochenende, aber in Deutschland ja schon jetzt und da es ja ein deutsches Institut ist, wird heute schon gefeiert, mit von der Lehrerin selbstgebackenen Bananenmuffins mit Schokostreuseln und jeder Menge anderem Süßkram aus der Konditorei „Sever“. [Es heißt zwar Kartoschka, also Kartoffel, schmeckt aber mehr nach... hm, schwer zu sagen, nicht wirklich Marzipan, höchstens von der Konsistenz her, G-Mama hatte mir vor ein paar Tagen einmal eine Kartoschka mitgegeben mit einer Pflaume drin, aber die war anders, die heutige wurde in Schokolade gewälzt und ist mehr als masstig, holla, die Waldfee, zwei von den Dingern und man braucht länger nix mehr zu essen.] Doch bevor ich davon naschen darf, will der Kurs erst noch hören wie es um meine russische Phonetik bestellt ist und ich soll die russische Übersetzung des Osterspaziergangs aus Faust, die Pasternak geschrieben hat, vorlesen. Danach sind sie alle sehr verblüfft wie fein ich das gemacht habe [ich selbst auch, weil ich eigentlich kaum etwas von dem verstanden habe, was ich da gerade vorgelesen habe] und das ich eigentlich keinen Akzent hätte. [Vielleicht ist da doch was dran... hmm, warum kann ich einen heftigen deutschen Akzent im Russischen ausbügeln, Norweger dazu bringen mich für ein Mädchen aus Tromsö zu halten, aber verdammt noch mal kein Hessisch babbeln?!]. Zur Belohnung darf ich dann auch Süßigkeiten essen. Tatjana erzählt noch, dass sie bald nach Berlin fährt zu ihren Enkeln zum Osterbesuch und fragt mich wie das mit dem Eier verstecken denn so richtig professionell auf Deutsch geht. [Gar nicht so leicht das zu erklären, kommt ja auch auf die äußeren Umstände, Garten und so, an.] Außerdem fragt sie mich, ob ich Zeit und Lust hätte, gegen Bezahlung mit einem 3,5 Jahre alten kleinen Jungen zu spielen, auf Deutsch, die Mutter wolle nämlich, dass er sein Deutsch nicht verlernt. Das werde ich mir mal durch den Kopf gehen lassen. [Wobei es mich vor ein erneutes pädagogisches Problem stellen könnte.] Als ich erzähle, dass ich nach Moskau fahren will, allerdings nicht allein und auch noch keinen Plan hätte, wo ich wohnen soll, schreibt mir Nadja gleich ihre E-Mail-Adresse auf, sie hat ne Freundin in Moskau und will die sowieso demnächst mal besuchen, dann könnten wir das ja zusammen machen. [Natürlich hat Tatjana auch Verwandte in Moskau, aber da jeder Zehnte russische Staatsbürger dort lebt, ist man fast geneigt zu sagen – wer hat da keine Verwandten?] Wirklich vor ein Problem stellt mich nur eine Frage und das ist auch noch eine Literaturfrage: Was für Prosa müssen deutsche Schüler verpflichtend in der Schule lesen? Hmm, die Antwort ist, trotz Zentralabitur, ja eigentlich immer noch: Keine. Aber mit so was gibt sich ein russischer Phonetikkurs, der Gedichte von Goethe, Schiller und Eichendorff auswendig lernt natürlich nicht zufrieden. Also kram ich tief in meinem schulischen Gedächtnis. Nach und nach fallen mir dann immerhin noch Max Frisch, Franz Kafka und Herrmann Hesse ein, obwohl ich letzteren nie in der Schule gelesen habe. Aber so wirklich einen Kanon wie in Russland mit Dostojewski, Tolstoj etc. haben wir den eigentlich? Später am Abend bin ich dankbar für die „Leseliste für die mündliche Matur“, die ich mir irgendwann mal in einer Laune heruntergeladen habe, da lässt sich immerhin ein bisschen was rausschreiben, einen wirklichen Kanon würde ich das aber immer noch nicht nennen. [Für Vorschläge bin ich sehr dankbar, mir hat der Kurs so gut gefallen, dass ich garantiert nächsten Mittwoch wieder erscheinen werde und die versprochene Literaturliste mitbringen werde.] Bevor ich endgültig wieder meiner Arbeit nachgehe, kläre ich die Mädels noch über das Ampelmännchen auf meinem Kuli auf, bzw. was überhaupt ein Ampelmännchen ist, es gibt sie zwar auch hier in St. Petersburg, allerdings sind sie bei weitem nicht so kultig wie die aus Berlin. Ich klemme mich jetzt schnell hinter den PC und tippe noch die neuen Bewertungsbögen für die Einstufungstests ab, die in einer halben Stunde beginnen sollen. Irgendwie war anscheinend nie jemandem aufgefallen, dass die Punkte-Stufen-Balance für die Kurse in St. Petersburg nicht angeglichen war. Also, Tabelle gezogen und brav Punkte, Niveau und Bemerkungen eingetragen, dann noch zweimal am altersschwachen Drucker ausdrucken und los kann’s gehen. Wenn, ja wenn denn alle Prüflinge da wären. Maria muss mehrfach neu anfangen mit ihren Erklärungen bis dann so gegen 15:45 alle da sind. Da es drei unterschiedliche Tests gibt, macht es auch nichts aus, dass die Schülerinnen [den einen armen Jungen mittendrin kann man fast vernachlässigen] zusammengepfercht sitzen. Ich wurde zur Aufsicht eingesetzt und soll nach einer halben die Tests einsammeln und mittels Schablone kontrollieren. 40 Fragen in 30 Minuten – das ist machbar. Zumal es nur zum Ankreuzen ist, was mich doch sehr an meine Cambridge-Tests erinnert. Als ich dann irgendwann ankündige, dass es nur noch 10 Minuten sind, zucken fast alle zusammen, denn Uhren trägt die Dame von Welt heute ja nicht mehr, wofür hat man schließlich ein Handy? Ab einer Punktzahl von 29 dürfen sie den zweiten Teil auch noch machen, der Rest kann bzw. muss gehen. Nur drei von 20 erreichen dieses Ziel. Allerdings ist es etwas umständlich, dadurch dass die anderen gehen und Maria und ich noch den Resultaten ihre Stufen zuordnen, wir beide sehen, dass es hier noch Raum zur Optimierung gibt, nächstes Mal schreiben einfach alle 50 Minuten beide Teile. Übung kann nie schaden. Interessanterweise ist das Mädchen, das als erstes fertig ist nicht unter den dreien, die für einen höheren Kurs in Frage kommen. In Marias Büro vergleichen wir noch die Stufe des jeweiligen Jugendkurses mit der jetzt erreichten, die meisten haben sich deutlich verschlechtert, was auch zu erwarten war, da die Erwachsenenkurse mehr Stunden umfassen. [Was allerdings auch wieder irgendwie blödsinnig ist, wenn eine Jugendstufe B 2.1. dann nur eine Erwachsenenstufe A.2.2. ist.] Ein Mädchen aus dem C 1.2. Kurs ist entweder vorher falsch eingestuft worden oder hat im Test einfach versagt, da sie auf einem A-Niveau gelandet ist. Na ja, passiert. Direkt vor mir saß, wie ich jetzt erfahre, Marias Patenkind, nach Marias eigener Aussage „begabt, aber faul“ [hmm, in dem Alter, nicht ungewöhnlich, sie sind ja alle Jahrgang 1992 oder 1993], obwohl ihre Mutter ihr immer gut zuredet, dass das doch so wichtig wäre für die Zukunft [auch das kommt einem nur zu bekannt vor]. Eigentlich wollte Maria nach dem Test noch mal zu mir kommen um die Broschüre für das Institut zu besprechen, aber entweder vergisst sie das oder hat keine Zeit. Ich sitze jedenfalls bis um 18:30 brav an meinem Computer im Empfangszimmer und warte auf sie. Daheim gibt es nicht viel Neues, immer noch kein Anton [inzwischen glaube ich nicht mehr, dass das überhaupt noch was wird, zumindest diese Woche], Wowa fragt immer noch nach dem kleinen grünen Computer und die Katze sitzt immer noch gerne vor meiner Tür und bittet um Einlass.
10.4.09 13:10
 


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