Startseite
  Über...
  Archiv
  Einführung/Allgemeines
  Gästebuch
  Kontakt
 


 
Freunde
    kohpad-xamel
    - mehr Freunde


Links
   Für Yvonne
   Eigene Fotos


Webnews



http://myblog.de/aurora-borealis

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
11. Mai

Da es hier in Russland ja üblich ist Feiertage, die samstags sind, auf Montag zu verschieben, habe ich heute noch frei und hatte eigentlich vor auf der Elagin-Insel spazieren zu gehen, doch als ich um 10 Uhr einen Blick aus dem Fenster werfe, bietet sich mir nicht gerade ein hoffnungsvoller Ausblick – dicke, dunkle Wolken hängen am Himmel und verheißen vor allem eines – Regen. Die Wetterprognose bestätigt meinen Verdacht. Also streiche ich die Inseln von heute und denke über einen entspannten Tag zu Hause nach. Ich muss auch noch einkaufen, da mir beim Frühstück das Müsli ausgegangen ist und ich mich heute auch erstmals an unserem Gasherd erproben will. Ich habe auch das Glück, dass der Kiosk, um den ich schon seit Tagen herumstrolche um mir das Ozhegov-Wörterbuch für gerade mal 7 Euro zu kaufen, heute auch offen hat. Also nichts wie hin und nach dem Buch gefragt, die freundliche Verkäuferin fragt mich, ob es auch in Ordnung wäre, wenn ich das Exemplar aus der Vitrine bekomme [wenn sie da drankommt, klar, kein Problem] und schon halte ich „meinen Ozhegov“ in Händen, die schicke dunkelblaue Ausgabe mit drei Spalten. Damit habe ich meinen Abschluss in Slavistik ja fast schon in der Tasche. Danach noch schnell beim Diksi Müsli, O-Saft und Yoghurt gekauft [man bezahlt hier für jeden Yoghurt einer Vierer-Packung einzeln und die Kassiererin hätte es fast nicht bemerkt, schade...] und dann wieder nach Hause, bevor es anfängt zu regnen. Dort widme ich mich dann mit Benedikts Hilfe mal dem Gasherd, der ja eigentlich recht simpel zu bedienen ist, aufdrehen, anzünden – fertig. Allerdings sind mir offene Flammen ja nicht so ganz geheuer und ich finde, dass es in der Wohnung generell immer ein bisschen komisch riecht... Das Kochgeschirr ist auch noch aus Sowjetzeiten – gusseiserne Pfannen und hochinteressante Töpfe, in denen Nudeln sogar am Boden kleben bleiben, wenn man Öl ins Wasser gemacht hat und permanent umrührt. Eines habe ich vollkommen außer Acht gelassen – die gusseisernen Pfannen werden auch am Griff tierisch heiß und so setze ich die Pfanne in meiner Not auf dem Küchentisch mit Plastiktischdecke ab – keine gute Idee. Sobald ich Topflappen griffbereit habe, entferne ich die Pfanne wieder, doch es ist zu spät – in der Tischdecke klafft ein halbmondförmiges Loch, dessen geschmolzene Rest unter der Pfanne kleben... Da die Pfanne nicht beschichtet ist, klebt auch ein großer Teil meines Rühreis an der Pfanne fest. Ein Glück, dass ich nicht vor 20 Jahren [bzw. in Deutschland von 40-60 Jahren] gelebt habe, meine bescheidenen Kochkünste werden von diesen Geräten nicht gerade unterstützt, denn kochen macht keinen Spaß, wenn alles anbrennt oder angeklebt und es schmeckt auch nicht so schön. [Das können noch lange kulinarische 6 Wochen werden...] Der Gasherd und ich werden in diesem Leben bestimmt keine Freunde mehr. Zusammen mit meinem Essen setze ich mich vor den PC und schaue mir noch ein paar Folgen CSI an, da das Internet ausnahmsweise mal wieder gut läuft und nicht 5 Tage braucht um mir eine 40-Minuten-Folge anzuzeigen. Nebenbei recherchiere ich noch, was man sich alles bei den gestern überlegten Ausflügen so ansehen könnte, vor allem Festungen gibt es hier in der Gegend und in Karelien – eigentlich irgendwie nix. Eine SMS von Lisa erreicht mich, mit der Frage, ob ich Lust hätte auf ein Konzert einer russischen Rockband zu gehen. Das hatte sie mich letzte Woche schon mal nach der Arbeit gefragt, aber da war ich doch etwas misstrauisch [zu Recht, denn die Gruppe sah zwar nach Rock aus, machte dann aber eher Trash-Pop mit synchron tanzen]. Diesmal kennt Lisa die Gruppe allerdings und ich habe die Möglichkeit auf Youtube akustisch zu recherchieren – klingt nicht schlecht, also sage ich zu. Kurz danach schreibt mir auch noch Nadja, mit der ich mich jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr getroffen habe, weil sie entweder krank oder nicht da war, sie hätte bis eben geschlafen [es ist 16 Uhr], weil die Reise so anstrengend war [keine Ahnung wo sie war, aber es war irgendwo, wo man mit einem Zug hinfährt], bei dem Wetter hätte sie allerdings auch keine Idee, was man machen könnte. Meine Einladung mit Lisa auf das Konzert zu gehen lehnt sie dann lieber ab, sie möge lieber Jazz als Rock, na ja, dann kann ich auch nichts machen. Ich mache mich pünktlich auf den Weg mit der Metro und hebe auch noch Geld ab, da ich heute die letzten der 4000 Rubel vom ersten Mal abheben ausgegeben habe [wobei ich ja auch rund 3800 Rubel dazuverdient habe, von denen 2000 ja auch gleich wieder direkt in die Gastfamilie flossen]. Lisa und ich landen dann in einem kleinen Club in einer alten Lagerhalle, der nicht so recht Gothic, nicht so recht Metal, eigentlich gar nichts so recht ist, aber hauptsächlich alternativ sein will [wie auch immer „alternativ“ in Russland aussieht]. Am Eingang werden brav alle Lebensmittel aus den Taschen aussortiert und auch andere gefährliche Dinge wie Haarspray [wer zur Hölle nimmt Haarspray mit, wenn er auf ein Konzert geht?!?!], auf meine Nachfrage hin wird mir allerdings versichert, ich könne meinen Apfel und die Flasche mit O-Saft mein Rausgehen wieder abholen, was ja schon mal besser ist als in Deutschland, wo solche Dinge in einer großen Mülltonne landen [sofern einem ein Apfel in Deutschland überhaupt abgenommen werden würde]. Überall hängen „No Smoking!/Ne kurit!“-Zeichen mit einem durchgestrichenen Smoking, der allerdings nur auf den englischen Teil der Aussage zutrifft und wohl die „Alternativität“ des Klubs unterstreichen soll, denn gequalmt wird hier kräftig. Das Konzert beginnt mit rund einer halben Stunde Verspätung und ist nach einer Stunde auch schon wieder vorbei. Eine Stunde mit Zugabe [Zugabe heißt hier in Russland, dass die Band noch mal Songs auf Zuruf spielt, die sie vorher schon gespielt hat] – das rechtfertigt den Preis von 400 Rubel/9 Euro eigentlich nicht, vor allem, wenn man bedenkt, dass die meisten Leute hier rund 300 Euro verdienen. Immerhin hat es aufgehört zu regnen und die Sonne scheint noch ein wenig, als wir uns auf den Heimweg machen und meinen Apfel und meinen O-Saft habe ich tatsächlich zurückbekommen. Ich hätte auch noch das Haarspray mitnehmen können, das hätte niemand bemerkt und die Person, zu der es gehört, war bestimmt zu betrunken um sich noch daran zu erinnern.

12.5.09 23:09
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung