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10. Mai

Nachdem ich heute bis um 11:15 erst mal ausgeschlafen habe, kontaktiere ich Lisa, was sie sich denn für heute überlegt hat. Um 11:30 erhalte ich Antwort, auch sie ist eben erst aufgestanden, hat aber vor bei dem schönen Wetter heute an den finnischen Meerbusen zu fahren in den Ort „Kurort“ [ja, der heißt tatsächlich so]. Ihre Vermieterin meinte jedoch, man solle sich warm einpacken, da es dort sehr windig sein kann. Klar, liegt ja auch direkt am Meer, aber genau deshalb wollen wir ja dorthin und warm einpacken ist ja nun wirklich kein Problem. Wir beschließen uns um 1 Uhr an der Metrostation „Staraja Derevnja“ zu treffen, die ich entweder mit der Marschrutka erreichen kann oder mit der Metro über einen Umweg durch die Innenstadt zum Umsteigen. Ich entscheide mich für die Metro. Zuvor forsche ich jedoch noch in meinem kleinen, neuen Heftchen nach Marschrutkas, die Ziele außerhalb der Stadt anfahren wie zum Beispiel Peterhof oder Puschkin. Benedikt stellt jedoch fest, dass das Heft nicht mehr ganz aktuell sein kann, weil dort noch Marschrutki auf dem Nevskij eingezeichnet, die inzwischen schon nicht mehr fahren würden. Na ja, der Plan ist immerhin besser als gar nichts in der Hand zu haben was Marschrutkas angeht. Da mein Browser gestern ja ziemlich gezickt hatte, als ich Boris seine korrigierte Magisterarbeit zuschicken wollte und ich schon sehr müde war, kann ich mich nicht mehr daran erinnern, ob es jetzt tatsächlich noch geklappt hat, allerdings ist der Browser auch heute nicht gewillt mit mir zu kooperieren und so hoffe ich einfach, dass Boris die Mail bekommen hat und werde den Ort „Priladozhkaja“, der für einen Ausflug an den Ladogasee sehr vielversprechend klingt, ein andermal suchen. Mit etwas Verspätung, aufgeladener Batterie für die Digicam und Fleecepulli [wir sollten uns ja warm einpacken] mache ich mich auf den Weg in Petersburgs Nordwesten. Die Metro ist nicht sonderlich voll [klar, ist Sonntag] und so kann ich mir die schönen Stationen, die ich teilweise noch nie gesehen habe, durch das Fenster betrachten. Zenit scheint heute zu spielen, denn einige friedliche Fans, gekleidet in unterschiedlichsten Blautönen, steigen zu. Die Stunde Fahrt hatte ich tatsächlich richtig eingeschätzt, allerdings war ich etwas verspätet losgekommen und so treffe ich jetzt mit 10 Minuten Verspätung ein. Diese 10 Minuten haben allerdings nicht dazu geführt, dass uns der Zug geradewegs vor der Nase weggefahren ist, nein, der letzte war um 12:35 und der nächste um 14:05, also haben wir noch genügend Zeit uns im nahliegenden Marktkomplex Wegzehrung einzudecken – gefüllte Teigtaschen, wahlweise mit Hühnchen, Lauch und Ei, Quark oder Apfel – sehr lecker. Die Marschrutka füllt sich dann doch sehr gut mit Wochenendausflüglern, die ein ähnliches Ziel zu haben scheinen wie wir. Nachdem wir die Vororte St. Petersburgs hinter uns gelassen haben [am Horizont sieht man noch die Silhouetten der neugebauten Hochhäuser, die in der Metro immer angepriesen werden, erkennbar daran, dass sie strahlend weiß sind], zuckeln wir an kleinen Holzhäusern [nicht immer im besten Zustand] vorbei und durch bewaldetes Gebiet. Ich leihe mir von Lisa ihren „Lonely Planet“-Reiseführer über Russland aus und erforsche mal, was man alles so für Wochenendausflüge noch machen könnte. Dank Lisas Unternehmungslust habe ich nämlich selbst auch wieder Lust bekommen etwas zu unternehmen, Moskau ist wieder auf dem Plan und auch Tallinn ist eine Möglichkeit, von Novgorod und Kronstadt mal ganz abgesehen. Rund 40 Minuten dauert unsere Fahrt und dann tut er sich links auf – der Strand von Kurort, nur einen Steinwurf entfernt von der Bahnstrecke. Wir steigen zusammen mit vielen anderen Menschen aus und wundern uns erst mal, wo denn das Kassenhäuschen für die Rückfahrt ist, da wir ja auch ganz gerne wissen möchte, wie wir von diesem schönen Ort wieder nach Hause kommen. Rund um den Bahnhof gibt es nur eine illustre Ansammlung von Häusern, deren Zustand von abgebrannt über baufällig bis hin zu neugebaut mit Sicherheitszaun rangiert. Wir fragen erst eine Frau, ob wir unser Ticket dann im Zug kaufen sollen und treffen danach auf Lisa Vermieterin, die uns gleich erklärt, dass der verkohlte Fleck [nicht zu verwechseln mit dem abgebrannten, baufälligen Haus] neben dem Bahngleis mal das Kassenhäuschen war, die Zeiten jetzt aber im Sanatorium aushängen und wenn dir da nachschauen, sollen wir dort auch lieber gleich noch auf die Toilette gehen, denn damit ist es hier nicht so gut bestellt. Wir halten uns an den Rat und marschieren beim schönsten Sonnenschein durch das Eingangstor in Richtung Sanatorium. Die Luft ist hier um Klassen besser als in der Innenstadt, sie riecht nach Wald und Salzwasser, die Vögel zwitschern und die Wellen rauschen. Auch die Gebäude des Sanatoriums sind nicht mehr in dem sensationellen Zustand, in dem sie waren als die vermutlich der Stolz der Sowjetunion war. Ein Gebäude zur Unterbringung von Gästen wird zwar gerade renoviert [ich entnehme dies einfach mal dem Kreischen der Kreissäge], sieht sonst aber eher aus wie ein heruntergekommenes, drittklassiges Hotel in Griechenland, der Türkei oder Tunesien, das man alljährlich in den Beschwerdereportagen deutscher Urlauber zu sehen bekommt. Na ja, wir müssen dort ja nicht wohnen und die Feiertagsgäste stört es auch nicht, sie haben es sich auf den Bänken in der Sonne gemütlich gemacht. Lisa und ich haben jedoch ein anderes Ziel und das heißt Strand. Dort angekommen ziehen wir zum großen Bestürzen der russischen Omis [das ist doch viel zu kalt!] unsere Schuhe und Socken aus und krempeln die Hosen hoch, um so richtig schön im Sand spazieren gehen zu können. Am Strand liegt jede Menge Schilf und Abfall, den man geschickt umrunden muss [das Schilf kann man leider nicht so wirklich vermeiden, wenn man zum Wasser will, da es in zwei dicken Streifen eine Küstenlinie bildet]. Lisa steuert sofort auf das Wasser zu und ehe ich mich versehe, steht sie wadentief drin. Das kann ich nun nicht auf mir sitzen lassen und watschelte hinter ihr her [da ich allerdings etwas kleiner bin, geht mir das Wasser fast bis an die Knie und ich werde ziemlich nass, aber es ist ja einigermaßen warm und die Jeans hat später noch Zeit zu trocknen]. Es ist nicht wirklich absehbar, ob gerade Ebbe oder Flut ist oder ob das Wasser ein- oder ausströmt und so ist es mir nicht ganz geheuer auf einer Sandbank zu stehen und am Ende nicht mehr so einfach wegzukommen. Aber auf einer Mole nahezu mitten im Meer steht ein Fischer und wenn’s den noch nicht weggeschwemmt hat... Am Strand lassen Leute alle Arten von Drachen steigen, im Wasser draußen schwimmt eine knallrote Yacht. Es ist sehr friedlich hier, vor allem wenn man bedenkt, dass die Millionenstadt Petersburg mit ihrem Dreck und ihrer schlechten Luft nicht sonderlich weit entfernt ist. Wir spazieren eine ganze Weile am Strand entlang und können uns gar nicht satt sehen an dem schönen blauen Himmel, den Wellen, dem Strand und den Wäldern und die Lungen freuen sich über die frische Luft. Irgendwann setzen wir uns dann in den Sand, machen Brotzeit uns lesen. Gegen halb sieben machen wir uns auf den Weg zurück. Am Bahnsteig sehen wir wie jemand aus dem baufälligen Haus herauskommt, es wohnen also tatsächlich noch Menschen dort, obwohl rund die Hälfte der Fenster durch Plastikfolie ersetzt worden sind und das Dach auch ziemlich undicht sein sollte [was bei einem Holzhaus nicht gerade ein Vorteil ist]. Es war bestimmt einmal ein sehr hübsches Haus als es gebaut wurde [wann auch immer das war], man hat es aber verkommen lassen wie so vieles hier und jetzt kann man es eigentlich nur noch abreißen wie es vermutlich mit dem Haus gemacht wurde, das früher auf dem Grundstück mit dem Neubau stand [die Grundstücksbepflanzung ist alt, die Bäume außerhalb des Zaunes sind noch jung und das Haus allerfrühestens in den 90ern gebaut worden]. Unser Zug kommt pünktlich und wir lassen uns müde auf die Holzbank fallen. Wenn das Wetter morgen auch so schön wird wie heute, dann plane ich auf die kleineren Insel in der Neva zu fahren, von denen zumindest eine autofrei ist. Daheim finde ich auf meinem deutschen Handy eine SMS von Mama, die sich Sorgen macht, weil sie so lange nichts gehört hat, also beruhige ich sie über Skype, da mein Internet aber sensationell langsam ist heute, wird es nur ein kurzes Gespräch und Mama widmet sich dann lieber wieder ihrer Kerkeling-Lektüre und ich mich meinem Waschbottich mit Socken und Unterwäsche [allerdings ist in meinem Zimmer die Heizung nicht an und so wird es wohl einige Zeit dauern bis die Sachen trocken sind]. Alles in allem war es ein sehr schöner Muttertagsausflug und dieses Wochenende hat mir einen großen Teil meiner Freude an St. Petersburg zurückgebracht [vor allem, wenn man bedenkt, dass es Lisa in der Programmabteilung auch nicht sonderlich gut geht was Arbeit angeht].

12.5.09 23:09
 


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