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1. Mai

Heute ist ein schöner Tag zum Sightseeing. Nach einigen Startschwierigkeiten beim Treffen unten in der Metro geht es dann los. Wir steigen am Nevskij aus und sind über die geringe Anzahl an Menschen und die hohe Anzahl an Milizen überrascht. Überall werden Russlandfahnen in allen möglichen Größen verkauft. Auch an den Gebäuden hängen sie in allen Variationen, selbst die ein oder andere Flagge der Sowjetunion hat sich dazwischen gemogelt. [Wer hatte letztens noch erzählt, bei russischen Feiertagen wie dem 1. Mai würden auch kaum Fahnen rausgehängt werden? Also, hier gibt es jedenfalls sehr viel mehr Fahnen als bei uns zum Tag der deutschen Einheit!] Wir flanieren zur Admiralität und sehen jede Menge Milizen, die um den Brunnen herumstehen. Vor allem die Büste von Gogol erfährt sehr viel Personenschutz. Anna und ich trauen uns kaum Fotos zu machen, vor allem nachdem Anna mir erzählt hat, dass sie letztens 100 Rubel Strafe zahlen musste, als sie in der Metro fotografiert hat [die Russen machen auch überall Geld!]. Die hohe Anzahl an Milizen gibt uns eher ein Gefühl der Unsicherheit, so als wären wir Schwerverbrecher aus einem Hochsicherheitsgefängnis und hätten heute mal Freigang. Im kleinen Alexanderpark steht dann auch die schwerausgerüstete Spezialeinheit [teilweise noch ziemliche Bübchen mit Helm, Brustpanzer, Knieschonern und Schlagstock] neben einem kleinen Kiosk und harrt der Dinge, die da kommen sollen – vermutlich die Demonstration zum 1. Mai, obwohl Lida heute morgen schon meinte, die gäbe es gar nicht mehr, dabei sei das immer so schön gewesen und schließlich hätte sie ihren Mischa ja auch auf so ner Demo kennen gelernt, damals vor 30 Jahren. Anna und ich sind aber überzeugt, dass es eine Demo geben wird, die ganzen Milizen stellen sich ja nicht einfach so hier auf. Zuvor gehen wir aber in die Isaakskathedrale, die ich irgendwie pompöser in Erinnerung hatte. [Was auch daran liegen kann, dass wir auf die Kuppel gestiegen sind und mein Adrenalinspiegel in anbetracht der Höhe die Erinnerung etwas vernebelt hat.] Aber Anna macht’s trotzdem Spaß und auch meinen „Studentenausweis“ [eine Kombination aus dem Fotoausweis aus Norwegen und dem Studentenausweis aus Mainz, damit sie ihr gewünschtes Foto bekommen] erkennen sie an der Kasse an. Wir bzw. ich mache noch einige Fotos von Anna vor der Kathedrale, als wir Musik über den Platz mit der Reiterstatue von Alexander dem... I. (?) hallen hören. Dort steht ein Wagen der kommunistischen Partei und spielt seltsame Musik [alles von Klassik über russische Chansons bis hin zur aktuellen russischen Popmusik] – was auch immer stattfinden wird, es wird hier sein. Wir machen gerade noch Fotos von der Statue und entscheiden uns zurück zum Newaufer zu gehen, als sie uns entgegenkommt – die Demo! Sie ist nicht sooo furchtbar groß wie ich gedacht habe und verläuft sehr viel ruhiger als deutsche Demos am 1. Mai in der Regel verlaufen. Viele Menschen schwenken rote Fahnen [manchmal die Sowjetfahne, manchmal einfach nur so rot], haben Spruchbanner, die den Kapitalismus schmähen [dabei ist allerdings auch das ein oder andere junge Mädel, da seine hochhackigen Schuhe gerade diesem Kapitalismus zu verdanken hat und den echten Sozialismus der Sowjetunion vielleicht gerade noch so am Rande mitbekommen hat] und am Ende kommt noch eine Gruppe, von der ich sagen würde, dass sie vielleicht rechts war, von dem was sie rufen und weil sie ganz andere Fahnen haben. Keine brennenden Autos, keine Wasserwerfer, keine Rechten, die die Linken verprügeln... Deutschland ist in dieser Hinsicht eindeutig wilder als Russland. All diese Menschen versammeln sich dann zu einer kleinen Kundgebung auf dem Platz, wo wir eben noch standen [und wir sind sehr froh, dass wir uns noch rechtzeitig vom Acker gemacht haben, wer weiß, ob uns einer der vielen Milizen auf unsere missliche Lage hingewiesen hätte...]. Eine Weile schauen wir uns das Schauspiel noch an, dann gehen wir in Richtung „Eiserner Reiter“ [nein, nicht der Goldene Reiter von der NDW]. Ausnahmsweise ist hier heute nicht ein Hochzeitspaar zu sehen weit und breit, erstaunlich in anbetracht der Tatsache, dass wir letztes Mal nicht ein Foto ohne Hochzeitpaar bekommen konnten, aber wer heiratet schon am 1. Mai? Wir flanieren am Ufer der Newa entlang zum Sommergarten, der heute den ersten Tag wieder aufhat, nachdem im April alle Gärten in St. Petersburg „renoviert“, also neu bepflanzt, werden. Wir sind ziemlich erschöpft und suchen nach einem geeigneten kleinen Café zum Ausruhen und stärken. Bis zur Auferstehungskirche schleppen wir uns noch weiter um dann im „Frikadelki“ einzukehren, das ich noch vom letzten Mal kenne. Nach einer kleinen Stärkung suchen wir noch ein Café zum Einkehren und suchen ein relativ teures Café aus Annas Marco-Polo-Führer aus, das direkt am Nevskij liegt. Wir machen es uns auf einem Sofa bequem, essen einen warmen Strudel mit Erdbeer-Vanillesoße und Eis und ich genehmige mir noch einen Milchshake. Nachdem wir uns hier lange ausgeruht haben, beschließen wir [bzw. Anna] noch ein bisschen bummeln zu gehen und zu schauen, was im Kino läuft. Konnte Anna es schon kaum begreifen, dass ich mich ungern vor irgendwelchen Sehenswürdigkeiten fotografieren lasse [ich weiß doch, dass ich da war und im Gegensatz zu ihr, habe ich keine Lust, hundert Anläufe für ein Foto zu machen, auf dem ich nett aussehe], so fällt es ihr auch schwer nachzuvollziehen, dass ich meine Klamotten selten in Läden wie Benetton [in dem wir uns gerade aufhalten] oder so kaufe, sondern den Versandkatalog bevorzuge und dass ich über niedliche kleine Accessoires nicht in Verzückung gerate [Ringe und Ketten habe ich zu genüge, momentan könnte ich nur Haargummis oder –spangen gebrauchen, aber ganz sicher keine Ohrringe oder komische Ballerinaschuhe, auch wenn es zwei Paare zum Preis von einem gibt]. Wenn man bedenkt, dass bei Benetton die Oberteile nur bis Größe L gehen, dürfte es mir sowieso schwer fallen etwas zu finden, was mir passt [über gefallen brauchen wir hier gar nicht diskutieren], höchstens bei den Röcken, meinen Hintern könnte ich noch in eine Benetton-Größe 40 reinbekommen... Im Kino spricht uns zunächst nichts so wirklich an. „Milk“ soll zwar gut sein [laut der Oscarjury], ich weiß aber viel zu wenig über den Inhalt, um mich dafür begeistern zu können. Ein neuer Film von Takeshi Kitano könnte ganz sicher mein Herz für sich gewinnen [aber will ich, dass die Japaner Russisch synchronisiert sind? Hmm...], dummerweise läuft er erst ab dem 21. Mai, nun ja, wird halt Anton dran glauben müssen, weil Anna dann schon nicht mehr da ist. Einen Zombiefilm über den 2. Weltkrieg... bah, das würde Mark vielleicht noch gefallen [aber auch nur wegen dem Zombie-Teil], mir gibt es eher wieder ein schlechtes Gefühl bei dem Gedanken daran, dass ich Deutsche bin. Und Zombies in SA-Uniform – wer braucht so was? Vor allem als russischer Film? Wir entscheiden uns schließlich für einen britischen Comedy-Film der „Radio Rock“ heißt [also im Original], ohne wirklich zu wissen, um was es geht. [Die Verfilmung von Gogols „Taras Bulba“ läuft um diese Uhrzeit nicht und auch auf die Verfilmung eines Romans der Strugatzki-Brüder müssten wir noch über eine Stunde warten, obwohl der nicht uninteressant klingt, so mit Fantasy/Science Fiction.] Der „Radio Rock“-Film beginnt aber in 10 Minuten und wir stürzen pünktlich ins Kino hinein. Werbung für einen Film, mal wieder 2. Weltkrieg, diesmal die amerikanische Variante. Der Slogan verheißt „Sie haben schon Filme über den 2. Weltkrieg gesehen? Aber sicher nie aus der Perspektive von Quentin Tarantino!“ Da ich, wie so häufig, Tom Cruise und Brad Pitt verwechsele, denke ich erst, dass es sich um „Operation Walküre“ handelt und wundere mich, dass der erst jetzt hier laufen soll. Dann fällt mir aber auf, dass Tarantino bei der Walküre keine Regie geführt hat und dass es Brad Pitt ist, der da mit Oberlippenbart und in brauner Nazi-Uniform über die Leinwand springt, Til Schweiger ist auch dabei. Wieder so ein Film der Kategorie „Gefällt Mark bestimmt und mir gar nicht“ und erneut beschleicht mich der „Wer braucht so was?“-Gedanke. Der Film fängt an und stellt sich als recht unterhaltsam heraus, mit einem genialen Soundtrack aus den späten 60ern. Nach dem Kino hat Anna immer noch Kopfschmerzen und wir suchen einen Apotheke auf, wo sie sich Paracetamol geben lässt [jede Menge Leute nehmen das gegen Kopfschmerzen, warum fiel das nicht früher auf, dass meine Mama dagegen eine Unverträglichkeit hat, sondern erst während der OP? Ein Glück, dass ich keine Kopfschmerzen habe, am Ende bin ich auch dagegen unverträglich und weiß es nur noch nicht]. Interessant ist auch, dass Kondome und andere Verhütungsmittelchen hier im Regal stehen unter der Überschrift „Familienplanung“, wohl eher im negativen Sinne, wer keine Familie plant, greift hier zu. Wir machen uns so langsam auf den Heimweg, da wir beide sehr geschafft sind, war auch ein langer Tag. Daheim esse ich noch eine kleine Portion [bin eigentlich noch voll von „Frikadelki“ und Café, aber Rita besteht darauf.] Noch schnell die Haare waschen und dann ab ins Bett.

 

4.5.09 16:21
 


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