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4. April

Ausschlafen ist heute schon mal nicht, aber dafür darf ich auf einer Messe zum Thema „Privatschulen“ arbeiten und jede Arbeitsstunde ist zwei Stunden an einem „regulären“ Arbeitstag wert. Damit ich nicht schon wieder nasse Füße bekomme [auf der Messe kann ich ja schlecht die Socken zum Trocknen aufhängen], ziehe ich heute die absatzlosen, braunen Stiefel an. Es erweist sich als schlechte Entscheidung, denn nach kurzer Zeit bemerke ich, dass ich mir wohl Blasen gelaufen habe [da war doch was beim letzten Mal in St. Petersburg, aber mir anderen Schuhen...]. Als ich am Hotel ankomme, bemerke ich auch noch, dass es ein sehr nobles Hotel ist und ich hemmungslos underdressed bin. Mit meiner Jeans und der quietschgrünen Jacke schlendere ich am Pagen an der Tür vorbei zum Empfang, wobei ich fast auf dem feingebohnerten Boden ausrutsche. Dort frage ich nach der Messe – die Treppe rechts rauf, dann links und dann müsste man sie schon sehen. Frau Privalova ist auch schon da [wobei ich sehr froh bin, dass sie mich erkennt, umgekehrt hätte das nicht funktioniert] und unsere Fahrer Viktor hat auch schon alles angeliefert und ist gerade dabei alles aufzubauen. Das Banner steht schon, auf dem Tisch liegt ein Teilnahmezertifikat bereit und eine Messe-Broschüre, jetzt verteilen Frau Privalova und ich nur noch die Werbeartikel und Infohefter. Als Werbeartikel haben wir bunte Buttons mit deutschen Worten drauf, u.a. „Mutti“ [was, wie ich Frau Privalova erkläre, für mich entweder altmodisch oder ostdeutsch klingt], „Tschüss“, „Liebe“ und „Ja!“ [Mascha hatte noch erzählt, dass es auch welche mit „Wurst“ gibt, die hat sie uns aber nicht mitgegeben, also ich hätt’s lustig gefunden!], diese Buttons sind vor allem bei den Kindern beliebt. Das Faltspiel mit dem „Fischers Fritze“-Zungenbrecher findet vor allem Frau Privalova toll und verteilt es gerne unter den Kindern, die damit meist nichts anzufangen wissen, aber egal. Die Messe läuft etwas schleppend an. Die Leute denken meist, dass wir mit der ortsansässigen Goetheschule verbandelt wären, was Frau Privalova ein wenig ärgert. Außerdem hat sich die Bezeichnung „Goethe-Institut“ nicht so wirklich durchgesetzt, da wir immer noch „Goethe-Kulturzentrum“ heißen, was natürlich nahe legt, dass wir vielleicht die Schirmherren der Schule sind. Außerdem ist Englisch ganz furchtbar angesagt und eigentlich will gar niemand Deutsch lernen. Die Erwachsenen fragen auch eher nach Kursen für sich in St. Petersburg und Deutschland, wären die Kinder mit dem Clown vom Nachbarstand spielen, der mir zugegebenermaßen eher Angst macht. In einer Ecke gibt es auch noch die Möglichkeit eine Fotosession mit der ganzen Familie zu machen [was auch immer das mit Privatschulen zu tun hat]. Deutschkurse für Kinder gibt es in Deutschland schon ab 10 Jahren, im Goethe-Institut werden sie allerdings erst ab 14 genommen und für die kommenden Sommerintensivkurse sowieso erst ab 16, was irgendwie nicht so recht ineinander greift. Eine Mutter bemerkt treffend, dass es ihr schon ein wenig Sorgen macht, wenn sie ihr Kind mit 10 für einen Monat allein nach Deutschland zum Sprachkurs schickt und da vermutlich keiner Russisch kann.  Was ist denn, wenn mit dem Kind mal was ist? Es kann ja mit keinem reden. Sehr wahr, denselben Gedanken hatte ich auch schon, als ich mir unsere Broschüre so durchgelesen habe. Die meiste Zeit sitze ich nur rum, weil der Andrang nicht so groß ist, dass Frau Privalova ihn nicht allein meistern könnte, aber ab und an darf ich auch mal auf Russisch erklären, was es alles für feine Kurse in Deutschland gibt oder bei uns hier am Institut. Eine aufgestylte Frau kommt auch an unseren Stand und erkundigt sich nach den Kursen, aber nicht um ein eigenes Kind dorthin zu schicken, sondern weil sie gerne mit uns kooperieren möchte. Sie steckt uns gleich ihre Visitenkarte zu, falls wir unsere Kinder gerne in Urlaub schicken wollen. [Welche Kinder?] Sie organisiert Reisen für Kinder ins Ausland ab einem Alter von zweieinhalb Jahren. Nachdem die Frau wieder weg ist, schauen Frau Privalova und ich uns nur ungläubig an. „Also, ich würde mein Kind nie mit zweieinhalb allein in einer Kindergruppe in Urlaub schicken, da hat das Kind doch nichts von, weil es sich so nach seiner Mama sehnt. Nein, das ist eindeutig zu früh.“ Ich kann Frau Privalova nur zustimmen, aber neureiche Russen scheinen ähnlich besessen von der weltoffenen Erziehung ihrer Kinder wie die neureichen Chinesen, die mit ihrem Kindergartenkind schon Englisch üben und dafür sorgen, dass das Kind jeden Tag seine Extraportion Schriftzeichen bekommt. Ich blättere so durch die Messe-Broschüre und muss feststellen, dass ich in meiner Kindheit wohl einiges an „guter Erziehung“ verpasst haben muss. Die Privatkindergärten und –schulen werben damit, dass sie alles für eine vorteilhafte körperliche und psychologische Entwicklung des Kindes tun. So gibt es einen Kindergarten, der schon für 10 Monate alte Kinder einen Psychologen bereitstellt [interessant wie die Kinder dem dann von ihren Problemen berichten sollen] und auch sonst wird an allen Ecken mit Psychologen, Logopäden und Ergotherapeuten nur so um sich geworfen. Ich denke an meine Kindheit zurück, die eigentlich recht glücklich verlief, ohne dass sich auch nur ein Psychologe im Kindergarten oder der Grundschule um meine psychologische Entwicklung gesorgt hätte. Frau Privalova erzählt mir, dass an jeder russischen Schule mindestens eine Krankenschwester und ein Psychologe arbeiten muss [na, die Schüler scheinen’s ja nötig zu haben] und ist fast schon entsetzt, dass die Krankenschwesterstelle in meinen Schulen meist von der Sekretärin oder in akuten Fällen vom Lehrer selbst übernommen wurde. Darüber, dass es mehr Psychologen an deutschen Schulen geben soll, wird ja schon länger diskutiert und in der Sekundarstufe II wäre es sicherlich auch nicht schlecht [aber ob ich als Teenager damals als ich von Theresa, Dana und Co gedisst wurde zu nem Psychologen gegangen wäre? Ich glaube nicht.], aber Psychologen für den Krabbelkreis finde ich dann doch etwas übertrieben. Pünktlich um 16 Uhr nach 5 Stunden Arbeit packen wir dann ein und Viktor holt wieder alles ab. Zufrieden damit, dass aus mir trotz nicht vorhandener psychologischer Betreuung im frühkindlichen Abschnitt meines Lebens doch ein wie ich finde recht anständiger Mensch geworden ist, mache ich mich auf den Weg nach Hause. Da Wowa heute morgen beim unbeaufsichtigten Herumspielen am kleinen grünen Computer ALLE meine Gehirntrainingsresultate gelöscht hat [wie auch immer er das geschafft hat], bin ich abends damit beschäftigt, Dr. Kawashima auszutricksen und das Datum einfach zurückzustellen. Nach anfänglicher Irritation darüber, dass die Zeit anscheinend zurückgelaufen ist, lässt er es sich gefallen und ich hole langsam ein paar Resultate wieder auf [da ich jetzt ja schon geübter bin, verbessert sich ganz nebenbei auch meine gesamte Bilanz]. Ich nehme mir vor, Wowa erst mal nicht mehr mit dem kleinen grünen Computer spielen zu lassen, da ich keine Lust habe meine Resultate immer wieder erneuern zu müssen, nur weil er sie wieder gelöscht hat, auch wenn ihm das ziemlich gegen den Strich gehen dürfte.
4.5.09 16:07
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Conrad (4.5.09 17:54)
Hier gibt es Werbung, in der es heisst, das Kinder doch schon ab 8 Monaten lesen lernen sollten und es in den USA schon einige Kinder gibt, die das koennten. Das ganze Leseset kann man limitiert jetzt erstehen. Ich weiss auch nicht, ob das so sinnvol ist.

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