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26. April

Der Tag hält sehr viel mehr, als er jemals versprochen hat. Das Wetter ist fabelhaft!! Ich mache mich um kurz nach 11 in Richtung Wassilij-Insel auf, wo der kleine Peter wohnt, mit dem ich mich heute gegen Geld beschäftigen soll. Pünktlich wie wir Deutschen nun mal sind [mit Ausnahme der Bahn, wobei das ja auch angeblich besser werden soll], stehe ich an der Tür. Die Mutter von Peter ist älter als ich gedacht hatte, aber sehr freundlich und Klein-Peter ist auch gar nicht schüchtern, sondern ein durchaus lebhaftes Kind, das mit seiner Wollstrumpfhose durch das Zimmer flitzt. Als ich komme, läuft gerade ein DVD der „Sendung mit der Maus“, Peter scheint es alles gut zu verstehen, spricht aber darüber in erster Linie auf Russisch, auch mit mir [und Kinderrussisch hat wie jede Kindersprache ihre ganz eigenen Herausforderungen]. Im Kindergarten in Deutschland hat er wohl mehr Deutsch gesprochen, aber da sein Vater besser Russisch kann als seine Mutter Deutsch [obwohl das nun wirklich nicht schlecht ist], wurde in der Familie Russisch gesprochen. Ja, es ist nicht so leicht ein Kind zweisprachig zu erziehen. Nachdem die Maus ausgeschaltet wird [es ist lustig für mich zu sehen, was noch von den alten Sachen übrig ist und was es an neuen Cartoons gibt], zeigt mir Peter seine Bücher, Grimms Märchen sind dabei, Bücher mit Kinderliedern, aber als ich eines anstimme, zeigt Peter bestimmt auf die CD und meint, dass da nicht gesungen wird, da ist nur Musik drauf! Gut, er will sowieso viel lieber Basteln. Also schafft die Mama das Bastelset an, in weise Voraussicht hat sie auch eine abwaschbare Tischdecke bereit, denn wie sich zeigt hat Peter mit der Dosierung des Klebers noch Probleme. Die Bastelaufgabe hat so ihre Tücken. Es geht zunächst darum, eine Tierschablone auszuschneiden. Peter will den Igel [aufgrund der Stacheln erst recht nicht einfach] und ich soll den Hund nehmen. Diese Schablone wird auf eine Art Stoffkarton geklebt, dann werden aus einem anderen Stoffkarton die vorgegebenen Körperteile der Tiere ausgeschnitten und auf die Schablone geklebt. Sieht sehr hübsch aus und ist für Kinder in dem Alter auch einigermaßen umsetzbar [wenn man nicht gerade den Igel nimmt]. Peter ist allerdings zunächst der Ansicht, dass man an ALLEN schwarzen Linien entlang ausschneiden muss und so wird zunächst der Pilze geteilt, der beim Igel dabei ist und später noch der Igel geköpft. Er ist allerdings auch ganz begeistert davon wie schön und schnell ich den Hund ausschneide, darauf hab ich ja auch rund 20 Jahre hingearbeitet. Irgendwann fängt der Kleine dann an den Igel umzubringen und in kleine Schnipsel zu zerteilen, dann batzt er mit dem Kleber herum und klebt willkürlich Sachen zusammen, unter anderem auch sich und ein Blatt Papier. Er will gerne „Multfilm“, also Trickfilm gucken, darf er aber nicht. Und da er offensichtlich die Lust am Basteln verloren hat, schwenken wir zu etwas anderem über [mein Hund ist nicht fertiggeworden, leider, ich hätte noch Lust gehabt weiter zu basteln]. Memory mit Mama ist angesagt, natürlich auf Deutsch das Ganze und es ist wohl eine Premiere, das mit allen Karten gespielt wird. Klein-Peter ist erstaunlich friedlich, obwohl er gegen mich verliert, absichtlich lässt man kein Kind gewinnen, das habe ich ja brav in meiner Erziehung gelernt. Danach will er noch puzzeln und uns stehen zwei Puzzle zur Auswahl eines mit Karlsson vom Dach und eines mit Charakteren aus einer russischen Trickfilmserie. Es sind alles Tiere, aber kugelrund und dementsprechend lustig sehen sie aus. Anderthalb Stunden sind blitzschnell vergangen und ich bekomme von Peters Mutter 1000 Rubel in die Hand gedrückt. [Ein Glück, denn ich hatte auf dem Hinweg bemerkt, dass ich mein Portemonnaie daheim hatte liegen lassen.] Nach dem Spielbesuch steht ein langer [wirklich langer] Spaziergang im Sonnenschein an, zunächst über die Wassilij-Insel inklusive einer hübschen Fußgängerzone und eines Marktes und dann über die Newa zurück ins Stadtzentrum. Mir wird so warm, dass ich es sogar wage ohne Jacke und nur mit kurzärmligen T-Shirt durch die Stadt zu laufen. [Da muss ich fast schon aufpassen, dass ich nicht schon meinen ersten Sonnenbrand des Jahres bekomme, den wollte ich mir doch für Island oder Malta aufheben!] Ich bekomme langsam Hunger und denke mir, dass ich doch schauen könnte, ob das Café D noch offen hat. [Die Sache mit dem Gratisessen zieht bei mir seit Norwegen so dermaßen, das ist schon fast peinlich.] Und tatsächlich ist Bachrom noch da und ich esse einen leckeren Quarkkuchen [mehr mit einem Käsekuchen bei uns zu vergleichen] mit einem Kirschsaft, lecker. Kurz nach mir kommt auch noch Ilja angeschlurft, wirklich ausgeschlafen sieht der Arme immer noch nicht aus [er arbeitet für die Programmabteilung und war letzte Woche häufig bis 2 Uhr nachts beschäftigt und lief dann wie ein Zombie am Tag durch das Institut, den man am besten nicht vor den ersten fünf Kaffees ansprechen sollte], aber er wirkt wesentlich fitter. Eigentlich wollte ich nur bis 4 Uhr bleiben, mache mich dann aber doch erst um halb fünf mit einem Muffin als Wegzehrung auf den Weg. Ich schlendere den Nevskij entlang und mir tun die Zettelverteiler heute noch mehr Leid als sonst, da sie teilweise ziemlich blöde Kostüme tragen müssen [es gibt ganz viele die so ein Ballonkostüm in Clownsfarben anhaben] und sicherlich tierisch schwitzen. Die Metro ist schön klimatisiert [Gott sei Dank] und es ist auch nicht so viel los weil Sonntag ist. Ich steige am Plozhad Muzhestvo aus um mich schon mal an meine neue Umgebung zu gewöhnen. [Memo an mich selbst: Für Mai nicht die Karten mit 70 Fahrten kaufen, die lohnt sich nicht, sind jetzt für 4 Tage noch über 20 Fahrten übrig, verdammt, na ja, ich hatte halt gedacht, dass ich mehr fahre und mir ist auch aufgefallen, dass ich irgendwann beim Ausmisten meiner Tasche auch einen der Metrojetons weggeworfen haben muss, da nur noch 2 übrig sind, na passiert.] Inline skaten ist hier in St. Petersburg irgendwie schwer in, weil sehr viele Leute aller Altersgruppen und auch sehr unterschiedlicher Gewichtsklassen mit den Dingern fahren [oder es zumindest versuchen], ich weiß ja, dass Yvonne das sehr gerne macht, aber ist das bei uns noch so beliebt? Na ja, ich hab letztens auch noch Leute mit fetten Plateauschuhen gesehen, die bei uns genauso out sind wie die Spice Girls, die sie Mitte der 90er so gern getragen haben. Man ist hier halt doch immer noch ein klein bisschen hinterher. Daheim angekommen ist meine Handwäsche von gestern so gut wie komplett trocken, was auch daran liegt, dass die Heizung in meinem Zimmer wieder an ist, und die Waschmaschinenwäsche trocknet auf dem Balkon bestimmt auch gut. Beim Abendessen präsentiert Wowa seiner Mama und Zhenja ganz stolz was er alles für SMS bekommt. Rita wird etwas misstrauisch, da es sich offensichtlich um Partneranzeigen handelt, die über einen netzinternen Anbieter vertrieben werden. Zhenja nimmt sich der Sache gleich mal an und liest vor. Interessanterweise bekommt Wowa nur Angebote von Männern, was Rita mit „Ich wusste es doch schon immer, dass er auf Männer steht!“ kommentiert. Ein 22-jähriger Ivan hat uns geschrieben mit ausführlicher Selbstbeschreibung und dem Wunsch ein süßes, nicht all zu großes Mädchen kennen zu lernen für... und da hört die SMS dann plötzlich auf. Ein 28-jähriger Maksim möchte auch jemanden kennen lernen. Seine SMS endet mit „R“, auf das wir uns alle keinen Reim machen können. Kurze Zeit später klingelt das Handy wieder und Maksim textet weiter mit „omantisch...“ Mr. „Omantisch“ amüsiert Zhenja so sehr, dass er ihm aus Spaß antwortet, man könne sich doch heute Abend um 11 in irgendeinem Club treffen. Leider hat Maksim heute Abend keine Zeit. Das Gesicht hätte ich gern gesehen, wenn der 2-Meter Zhenja da aufkreuzt [vorausgesetzt natürlich, dass Maksim, 28, eine tatsächlich existierende Person ist]. Durch meinen vierstündige Spaziergang bin ich zwar ein bisschen gebräunt, aber vor allem eines – dreckig und ich will nur noch schnell unter die Dusche springen.

 

27.4.09 11:47
 


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