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25. April

Nachdem ziemlich bescheidenen Tag gestern, wird der heutige Tag um Klassen besser. Es könnte daran liegen, dass sich die Gastmama wieder beruhigt zu haben scheint und sehr gerne meine Sachen waschen will. Da aber nicht alles so einfach in eine Maschine für 40 Grad geht, verbringe ich den Morgen mit ein bisschen Handwäsche und dem Versuch die Wäschestücke dann so in meinem Zimmer zu drapieren, dass ich möglichst wenig Boden nass tropfe. Es könnte aber auch daran liegen, dass Anton wie jeden Samstag vorbeikommt und als er kommt außer dem G-Papa keiner da ist. Wir haben also Zeit wirklich in Ruhe miteinander zu reden. Da das Wetter aber kräftig angezogen hat und es einfach wundervoll warm ist auf der Straße, zwingt mich Anton quasi mit ihm spazieren zu gehen. Außerdem haben wir ja auch noch ein „Date“ mit Benedikt, meinem wahrscheinlich baldigen Mitbewohner. Anton hat sich daran erinnert, das ich was von Sport in meinen Mails geschrieben habe und will mir das Fitnessstudio zeigen, in dem er bis vor kurzem noch trainiert hat, und so generell mal die Umgebung. Kurz bevor wir gehen wollen, kommen Rita, Zhenja und Wowa nach Hause und Wowa fragt natürlich gleich, ob wir mit ihnen spazieren gehen wollen. Er würde auch wieder Fahrrad fahren. So gern wir das auch machen würden, aber wir haben leider was anderes vor. Ich kann ja nichts dafür, dass Anton sich unbedingt die Wohnung ansehen will, in die ich ziehen werde. Bei feinstem Wetter schlendern wir zunächst am benachbarten Birkenwäldchen vorbei zum Sportzentrum. Es ist in zwei Teile unterteilt. Der erste ist eine Art Kaderschmiede für Leichtathleten, in der kleine Kinder zu zukünftigen Medaillengewinnern bei Olympia geschult werden. Der zweite ist ganz simpel gesagt ein russische Muckibude, die diesen Namen auch verdient. Der Anteil weiblicher Besucher ist eher gering und Anton glaubt mir nicht so wirklich als ich ihm zeige, an welchen Geräten ich in Deutschland trainiert habe. [Wobei dieselben Geräte hier noch viel mehr nach schierer Qual aussehen als daheim. Also ich weiß nicht...] Dem Angestellten vom Fitnessstudio müssen wir irgendwie komisch vorkommen. Erstens kommen wir da an und wirken vermutlich [wie eigentlich irgendwie fast immer] wie ein Pärchen. Dann meint Anton noch, dass er bis vor kurzen hier noch trainiert hat und mir das Ding zeigen will und zum Schluss erkundigt er sich noch, ab wann Kinder hier für die Leichtathletikgruppe in Frage kommen. [Ja, wir sind die Eltern der künftigen russischen Olympiahoffnung in der Leichtathletik.] Danach gehen wir an einem kleinen See vorbei, in dem, laut Anton, die Leute im Sommer gerne schwimmen gehen. [Also mich kriegt da niemand rein.] So zum Sitzen ist es sicherlich ein schöner Platz, wenn auch nicht so idyllisch wie die Südspitze von Tromsö, weil der See von zwei großen Straßen umschlossen wird. Auf unserem Weg zu meiner künftigen Wohnung philosophieren wir über Sport und ich verplappere mich, dass ich in Tromsö meinen Freunde ein bisschen tanzen beigebracht habe. Hmm, ob ich ihm das vielleicht auch zeigen könnte? Anton guckt mich an. Also, hier sofort auf der Straße sicherlich nicht, aber sonst gerne. Wir sind gerade in eine Diskussion über Autos und Motorräder vertieft [auch Autos haben bei Anton einen Popo, jedenfalls nutzt er dieses Wort dafür um mir die Heckform zu erklären, mit und ohne Popo halt, ne], als Anton plötzlich meint: „Und? Hast du ne Ahnung, wo wir jetzt sind?“ Habe ich natürlich nicht, aber Anton ist so gnädig und verrät mir, dass es der Plozhad Muzhestvo ist. Da wir super in der Zeit sind, gehen wir noch in ein Computergeschäft, in dem Anton nach W-Lan-Modems sucht, mit denen er das W-Lan seines Nachbarn anzapfen kann. Wir sind kurz vor 6 vor dem Ausgang der Metro und Anton drängt mich schon dazu Benedikt jetzt doch mal auf dem Handy anzurufen, weil es auf seiner Uhr schon 6 ist. Auf meiner nicht, also rufe ich auch nicht an. Pünktlich um 18 Uhr kommt ein junger Mann aus der Metro raus mit zwei Freunden, kommt stracks auf uns zu und stellt sich als Benedikt vor. Auf die Pünktlichkeit der Deutschen, über die Anton und ich zuvor noch diskutiert hatten, kann man sich eben doch verlassen [und darauf, dass man mich mit der grünen Jacke supergut sieht, auch wenn sie inzwischen schon sehr dreckig ist, zu dumm, dass ich die Jeansjacke nicht mehr gefunden habe vor meinem Abflug, bei der fällt das nicht so auf] und natürlich darauf, dass sich Deutsche irgendwie immer gegenseitig erkennen. Benedikt wirkt jedenfalls sehr sympathisch [muss am Namen liegen], allerdings ist er nur noch drei Wochen in der Wohnung, weil er dann Praktikum in Moskau macht für 6 Wochen und dann seine Masterarbeit in Geschichte in Deutschland schreibt. Der Preis für die Wohnung bleibt allerdings gleich, egal, ob ich allein drin bin oder nicht, was schon mal gut ist. Rund 250 Euro, plus 2000 Rubel für Strom und Internet ist auch nicht schlecht, ist die Hälfte von dem, was ich jetzt zahle und halt mit Internet. Die Freunde von Benedikt können leider kein Russisch und sind erst mal etwas erschlagen von der Atmosphäre. Das Mädchen meint nur: „Wir dürfen hier nicht verloren gehen, sonst finden wir nie wieder zurück.“ [Dreimal darf man raten, warum ich damals die Metrostationen auswendig lernen musste.] Vor der Metrostation kommt auch noch eine junge Frau auf uns zu und fragt, ob sie ein Foto von uns machen dürfte. Wir würden aussehen wie fröhliche und glückliche Menschen und davon hätte sie gern ein Foto. Benedikt lehnt lieber mal ab. Ich versuche meine Sprache irgendwo zwischen Deutsch und Russisch einzupendeln, damit Anton auch ein bisschen was mitbekommt und nicht total dämlich dasteht. Zur Wohnung selbst, nehmen die Männer die Treppe, wir zwei Mädels den Aufzug. Die Wohnung hat einen weiteren Vorteil, sie hat nur 2 Schlösser und nicht 6 wie die, die mir Nasstja gezeigt hatte. Ein gewisses Grinsen kann sich Anton nicht verkneifen, als er sich die Wohnung anguckt. „Typisch sowjetisch!“ Recht hat er – und wie. Die Sanitäranlagen sind wie bei uns daheim, nur dass es hier keine Waschmaschine gibt [ein Hindernis, aber kein Grund die Wohnung schlecht zu finden], es gibt einen Gasherd, eine Mikrowelle und jede Menge Einrichtungsgegenstände die noch 100% „Made in UdSSR“ sind. Aber es hat auch einen gewissen Charme. Während sich Benedikts Freunde erst mal einrichten und ich versuche die Mail mit der Adresse der Mutter mit Spielkind für morgen abzurufen, spielt Anton am Parkett herum, denn wenn man es vom Boden ablösen könnte, wäre das ein ganz schlechtes Zeichen. Für Anton spricht nichts gegen die Wohnung und auch nicht gegen den Mitbewohner [tatsächlich malt er mir auf dem Heimweg schon eine Art Lovestory aus mit dem großen, dunkelhaarigen Benedikt mit den grünen Augen, was mir nicht mal aufgefallen war], ich solle nur noch mal genau auf den eigentlichen Vermieter der Wohnung achten. Und wenn Anton nichts dagegen hat, dann habe ich das auch nicht. Klar fragt er, ob ich schon wen weiß, der nach Benedikt mit mir hier wohnen kann, damit ich nicht so einsam bin und dann rutscht ihm raus „Eigentlich könnte das ja auch ich sein!“ [Ich kann nicht wirklich sagen, ob das ein Fall von „Hab ich das gerade wirklich gesagt oder nur laut gedacht?“ war oder ernst.] Na ja, wenn seine Freundin nichts dagegen hat. Da Anton sich danach noch erkundigt, ob ich eine Allergie gegen Tierhaare, vor allem gegen Hunde, habe, fällt es mir noch schwerer seine vorherige Aussage einzuordnen. Das Fitnessstudio ist in verführerischer Nähe und es wären ja nur 5-6 Wochen, außerdem hat er sowieso überlegt, in seine alte Region zurückzuziehen. Da Benedikt sein Handy verloren hat [ha! Es hätte also überhaupt nix gebracht ihn anzurufen!], tauschen wir die E-Mail-Adressen aus um alles Weitere regeln zu können. Auf dem Heimweg nehmen Anton und ich denselben Weg am See und dem Fitnessstudio lang. Aus Spaß fängt Anton an meine Zukunft in Russland zu planen [unter anderem auch als „Frau Benedikt“] und aus Spaß meine ich nur, er könne ja auch genauso gut nach Deutschland kommen. „Aber nur, wenn du mich einlädst.“ „Okay, dann lade ich dich hiermit offiziell zu mir nach Deutschland ein, allerdings ist diese Einladung wohl nicht gültig fürs Visum.“ „Ey, auf diese Einladung hab ich mein Leben lang gewartet.“ [Hmmm? Ich bin immer davon ausgegangen, dass es selbstverständlich ist, dass er mich besuchen kann, wenn er die Zeit hat und das Geld für Flug und Visum und natürlich den Reisepass.] Beim Abendessen enthüllt mir Anton dann auch noch, dass es mit seinem Studium nicht ganz so glatt geht wie er mir erst weismachen wollte. Den Betreuer seiner Aspiranturarbeit hat er bisher kaum gesprochen und Änderungen am Inhalt der Arbeit werden auch mehr hingenommen als konstruktiv unterstützt [da werden mir meine Dozenten in Deutschland doch gleich wieder viel sympathischer]. Ein gewisses Chaos im Bildungssystem scheint hier allerdings gang und gäbe zu sein, wenn ich mir das Goethe-Institut ansehe, wo alle ganz happy sind, wenn jemand die Testunterlagen sortiert, was für mich eigentlich selbstverständlich ist. Tja, die Gründlichkeit der Deutschen halt. Anton seufzt nur und meint, ob ich seinem Betreuer nicht auch mal deutsche Strukturen beibringen könnte. Er hat im Herbst auch einen Englischtest und gibt Schwächen in der Grammatik zu. Bei seinem letzten Test in Englisch hat er kostenpflichtige Zusatzkurse belegt, einen Freund bezahlt, damit er mit ihm übt und so insgesamt fünfmal in der Woche Englisch gelernt und es hat für eine 4 gereicht [immer dran denken, das ist eine 2 in Deutschland]. Jetzt hat er etwas Schiss, dass das diesmal nichts wird und guckt groß mich mit seinen blaugrünen Augen an. „Tja, du musst nur fragen...“ Gut, also neben meiner Beschäftigung als Tandempartnerin für Nadja, als Entertainer für ein Kind (immerhin gegen Bezahlung), kann ich jetzt auch noch mit Anton Englisch üben. Allerdings spricht das auch dafür für 6 Wochen zusammen zu wohnen, weil einmal die Woche ein bisschen Englisch, das bringt ihm nix. [Ich erinnere nur an die Kuuuukiis vom letzten Mal.] Anton ist auch begnadet darin abenteuerliche Themenwechsel durchführen zu können. Aus heiterem Himmel meint er nur so: „Sag mal, was für Ansichten haben junge Leute eigentlich zum Thema „Heiraten“?“ Gute Frage, also ich kenne zwei verheiratete Leute in meinem Alter und selbst hätte ich bisher wenn dann nur Michele geheiratet [wie Mama mal sehr richtig bemerkt hat, WENN er denn gefragt hätte, hat er aber, vermutlich Gott sei Dank, nicht] , was ich Anton auch erzähle. Ich würde sagen, dass heiraten bei uns nicht so das große Thema ist, das kann man immer noch „später“ machen. [Ansichten hierzu von Menschen in langen Beziehungen?] Er wird wohl immer gefragt, ob er denn jetzt mal nicht seine Freundin heiraten will, ist demgegenüber aber auch eher distanziert. Tja, er ist halt kein „ordentlicher“ Russe oder er hat durch Wowa eine andere Sicht auf solche „bleibenden“ Dinge gewonnen. Obwohl er vorher so eine Panik gemacht hat, dass er schnell heim muss, lässt er sich jetzt erstaunlich viel Zeit noch das ein oder andere daheim zu erledigen und ist er um halb zehn aus dem Haus, natürlich nicht ohne mich dazu zu verdonnern mich bei „Vkontakte“ [dem russischen Abklatsch von Facebook] anzumelden, weil man da viel leichter chatten könnte und morgen spazieren zu gehen, weil es 25 Grad werden sollen. Wenn man bedenkt, dass ich Mittwoch morgens noch ein Foto von Eisschollen auf dem Griboedova-Kanal gemacht habe, ist dieser Temperaturanstieg schon irgendwie – verdächtig, aber mehr als willkommen, noch mehr grau in grau hätte ich nicht mehr lange ausgehalten und auch Anton verspricht mir, dass mir der St. Petersburger Frühling und Sommer sehr gefallen werden. Na dann...

 

27.4.09 11:45
 


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